Saudi-Arabien
Bauwirtschaft
Die saudische Bauwirtschaft ist in einer euphorischen Stimmung. Der Wohnungsbau wird in Saudi-Arabien durch die aktuell sehr hohen Staatsausgaben kräftige Impulse erhalten. Neben der hohen Arbeitslosigkeit unter den jungen Saudi-Arabern gehört die gravierende Unterversorgung mit erschwinglichem Wohnraum zu den aktuellen Problemfeldern mit hoher sozialer
Sprengkraft. Als Reaktion auf die schweren politischen und sozialen Unruhen in der arabischen Welt verkündete der saudi-arabische König Abdullah Bin Abdul Aziz im Februar und Mitte März 2011 zwei Ausgabenpakte mit insgesamt 40 Verordnungen. Sie haben ein geschätztes Gesamtvolumen von umgerechnet 130 Mrd. bis 140 Mrd. US$. Der größte Teil der Mittel soll in die Förderung des sozialen Wohnungsbaus gehen.
Zu der Nachfrage im privaten Sektor kommt die enorme Nachfrage im staatlichen Sektor. Die Planung sieht vor, dass zwischen 2010 und 2014 insgesamt 385 Mrd. US$ in die Verbesserung der Infrastruktur investiert werden (Bau von Schulen, Straßen, Flug- und Seehäfen, Kraftwerken, Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel, etc.). Ein großer Teil dieser Investitionssumme wird auf den Baubereich entfallen.
In Saudi-Arabien sollen unter der Federführung der Saudi Arabian General Investment Authority (SAGIA) insgesamt sechs "Neue Städte" entstehen. Vier dieser Mega-Projekte befinden sich bereits in der Implementierungsphase, zwei sind noch in Vorbereitung. Die Realisierung der Neuen Städte erfolgt in Kooperation öffentlicher und privater Träger, wobei sich der Privatsektor letztlich zur Hauptsäule entwickeln soll. Der Bau der ersten vier Neuen Städte erfordert nach den Berechnungen der Planer rund 136 Mrd. US$. In den ersten vier geplanten Städten sollen 1 Mio. neue Arbeitsplätze entstehen, die Wohnbevölkerung ist mit 4 Mio. bis 5 Mio. kalkuliert. Die Wirtschaft dieser Städte soll mit jährlich 150 Mrd. US$ zum Bruttoinlandsprodukt beitragen. Neben den Gewerbezonen in den Neuen Städten sind weitere einzelne Industrieparks im Bau beziehungsweise in der Planung. Diese neuen Industrieparks sollen sich von den bisher vorhandenen unter anderem dadurch unterscheiden, dass der Privatsektor das Management übernimmt. Nach den Vorstellungen der Planer wird es an privaten Investoren nicht fehlen.
Die große Nachfrage nach Produkten für die Bauwirtschaft als auch nach qualifizierten Arbeitskräften führt oftmals zu erheblichen Engpässen bei der Umsetzung der geplanten Projekte. Das Land ist deshalb daran interessiert, neueste Technologien einzusetzen, die eine effiziente Durchführung der Bauaktivitäten erlauben. Insbesondere bei den Wohnungsbauprojekten suchen die Real-Estate Entwicklungsgesellschaften nach Differenzierungsmöglichkeiten gegenüber Mitwettbewerbern. Auch energiesparendes Bauen wird deshalb immer mehr zum Thema.
Die positive wirtschaftliche Entwicklung in Saudi-Arabien schlägt sich auch im Gewerbebau nieder. Die Nachfrage nach Büroflächen steigt ebenso wie der Bedarf an Hotels und anderen Tourismuseinrichtungen.
Medizintechnik
Das Gesundheitswesen gehört in Saudi-Arabien zu den aktuellen Entwicklungs-schwerpunkten. Neben akuten Versorgungsmängeln machen die schnell wachsende Bevölkerung, die steigende Zahl Älterer und die rasante Zunahme von Zivilisationskrankheiten den Ausbau der medizinischen Infrastruktur erforderlich. Nicht nur die staatlichen Ausgaben für das Gesundheitswesen expandieren, auch private Investoren erhöhen ihr Engagement. Für deutsche Anbieter von Dienstleistungen, Medizintechnik und Pharmaprodukten bieten sich beste Chancen.
Das bisherige Investitionsniveau im Krankenhaussektor hat angesichts der schnell wachsenden Bevölkerung zu einer Verschlechterung der Relation von Krankenbetten zu Bevölkerung geführt. Bis 2015 ist eine Ausweitung der Bettenkapazität vorgesehen, der staatliche Anteil soll konstant bleiben. Die Zahl der vom Gesundheitsministerium betriebenen Gesundheitszentren zur ambulanten Versorgung wird der Planung zufolge bis 2014 von derzeit etwa 2.000 auf 3.000 ansteigen.
Der Bau von Krankenhäusern und Gesundheitszentren lässt auch den Bedarf an Medizintechnik deutlich wachsen. Deutschland lieferte 2008 für 127 Mio. Euro Medizintechnik nach Saudi-Arabien, rund 155 Mio. beziehungsweise 153 Mio. Euro waren es 2009 und 2010. In den ersten vier Monaten 2011 gingen die Ausfuhren gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode um 12% nach oben.
Die saudische Regierung arbeitet mit Hochdruck an Maßnahmen zur Neuorganisation des Gesundheitswesens. Wichtige Säulen sind dabei die Einbeziehung privater Investoren im Krankenhaussektor sowie der Aufbau von Krankenversicherungen.
Die erwarteten Veränderungen im Gesundheitssektor bis 2016 wurden in einer Studie von Booz Allen Hamilton in Zahlen ausgedrückt:
• Wachstum der Krankenhausbetten: von 51.000 auf 70.000 Betten
• Wachstum der Anzahl der Ärzte: von 40.000 auf 54.000 Ärzte
• Wachstum der Zahl der Krankenhäuser: von 364 auf 502 Krankenhäuser
Die Liberalisierung des Gesundheitsmarktes wird einen kräftigen Nachfrageschub auslösen. Die internationalen Anbieter haben das große Potenzial erkannt und positionieren sich am Markt.
Die Nachfrage richtet sich auf alle Sektoren des Gesundheitswesens:
• Medizinische Geräte
• Medikamente
• Versicherungen
• E-Health: Informationsverarbeitungssysteme
• Ausbildung

